Hey Du,

Du liest gerade einen Text zum Bildungsstreik und Du denkst Dir: Bildungsstreik, dass klingt ja nach Schwänzen für bessere Bildung. Wie soll das denn helfen? Außerdem hast Du dafür gar keine Zeit. Du musst für Klassenarbeiten, Klausuren oder Weiterbildung im Job büffeln. Ständig hast Du Prüfungen und musst Dir in immer kürzerer Zeit immer mehr Inhalte eintrichtern, obwohl Du weißt, dass Du das Gelernte nach der Prüfung sofort wieder vergisst. Vielleicht interessiert Dich zufällig das, was Du lernst, vielleicht musst Du aber auch dem starren Lehrplan folgen, ohne selbst wählen zu können. Am Ende hast Du mit einer guten Note Glück oder eben nicht. Genau diese Note aber entscheidet über deinen weiteren Bildungsweg. Sei es der Sprung von der Realschule auf das Gymnasium, von diesem zur Uni, oder vom Bachelor zum Masterstudiengang. Sogar Grundschulnoten stellen Weichen für Deinen weiteren Bildungsweg.

Stressfaktoren

Als weitere Stressfaktoren kommen große Klassen und Kurse, schlechte Raumverhält- nisse, sowie ein Lehrkräfte- mangel - aufgrund von niedri- gen Bildungsausgaben - hinzu. In keinem anderen Bundes- land sind die Pro-Kopf Ausgaben niedriger als in Rheinland-Pfalz. Dabei liegt Deutschland im internationalen Vergleich schon weit unter dem Durchschnitt der OECD-Länder (im Verhältnis des BIP der OECD Länder; Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). Besonders in Deutsch- land hängt dabei der eigene Bildungsabschluss stark vom Bildungs- und Ein- kommensniveau der Eltern ab. Dies wird beispielsweise durch Studiengebühren und die Notwendigkeit Nachhilfe privat zu finanzieren verstärkt. Da- durch wird Bildung käuflich.

Strukturelle Probleme

Doch das Ganze ist auch ein strukturelles Problem. Der Blick muss nicht all zu weit zurück gehen, um die jetzige Ent- wicklung als Teil eines seit Jahren laufenden Prozesses zu erkennen, der auf eine immer stärkere Ausrichtung des Bildungswesens auf marktwirt- schaftliche Verwertung abzielt. Die 1997 entwickelte Lissabonstrategie soll die EU zum ökonomisch erfolg- reichsten Wissenschafts standort der Welt machen. Sie wird mit dem Bolognaprozess an der Hochschule umgesetzt. Auch die Welthandelsorga- nisation hat mit dem GATS-Abkommen (General Agreement on Trade in Services) die Rahmenbedingung für den weltweiten Handel und die Privatisierung von Bildung gesteckt.

Das ist kein Zufall

Bildung unterliegt im Kapi- talismus den Gesetzen des Marktes. Als Ware dient sie primär der Erhöhung des Einkommens arbeitender Menschen, sprich deren Markt- wert, wenn sie ihre Arbeits- kraft verkaufen (können). Hiermit wird Bildung reines Mittel zum Zweck, der Mensch selber als Humankapital zum Ding in der Produktionskette. Dieser Verwertungslogik ent- sprechend, entsteht sowohl zwischen den Lernenden untereinander und zwischen den Lehrenden untereinander, als auch zwischen den Bildungsstandorten - wie Na- tionalstaaten und Wirtschafts- zonen – untereinander eine Konkurrenz. Dadurch entstehen Ökonomisierungs- tendenzen vor Ort. Aus diesem Reproduktionszyklus auszubrechen bleibt Utopie. Gleichzeitig bleibt die Forderung nach einer anderen, solidarischen Welt notwendig. Zum einen, da durch gemeinsame Arbeit schneller Fortschritte erzielt werden können und zum anderen

weil uns der derzeitige Zustand nicht befriedigen darf, solange Menschenrechte beschnitten werden. Zur Entwicklung eman- zipatorischer Ideen ist eine möglichst unbeschränkte Wissenschaft erforderlich.

Die Verteidigung sozialer Rechte

Aber auch innerhalb des Kapitalismus geht es uns um die Verteidigung bereits erreichter sozialer Werte. Die derzeitigen Veränderungen im Bildungswesen zielen jedoch in eine andere Richtung. Unter anderem ist die Verteidigung von Freiräumen, der Selbstverwaltung von Hoch- schulen, und der Unentgelt- lichkeit von Schulen und Hochschulen notwendig für den Erhalt sozialer Rechte und die Entwicklung einer Kritik.

Protest und Widerstand

Dass Protest und Widerstand erfolgreich sein kann, hat die jüngste Geschichte gezeigt. Zuletzt nach den Protesten in Hessen und der erreichten Wiederabschaffung der Studien gebühren. Gleichstarke und darüber hinausgehende Hoff- nung auf Erfolg setzen wir in den Bildungsstreik 2009. Bereits beim Schulstreik 2008 gingen über 100.000 SchülerInnen auf die Straße, um längst überfällige Veränderungen zu erreichen.

Links

Ahrweiler Bildungsstreik

FORDERUNGEN UND SELBSTVERSTÄNDNIS DER SCHÜLERINNEN

  • Die Situation an den (Vor-) Schulen  ist miserabel, viel zu große Klassen/Gruppen, soziale Selektion und wachsender Leistungsdruck machen Schule zu einer verhassten Pflichtveranstaltung.
     
  • Im November 2008 gingen bundesweit über 100.000 SchülerInnen für eine ganz andere, bessere Bildung auf die Straßen. Seitdem hat sich im Bildungssystem jedoch noch nichts verändert! Deshalb wird unser Protest auch 2009 weitergehen
     
  • Wir sind eine freie, unabhängige und überparteiliche Bewegung, welche sich die grundlegende Veränderung des maroden Bildungssystems zum Ziel gesetzt hat. Wir setzen uns zusammen aus lokalen Bündnissen, welche sich bundesweit koordinieren.
     
  • Wir solidarisieren und Vernetzen uns mit SchülerInnen, Studierenden, Auszubil- denden, LehrerInnen, ErzieherInnen, Eltern und allen anderen Bewegungen, die sich für eine bessere Bildung einsetzen!
     
  • Eine Schule für Alle – Weg mit dem mehrgliedrigen Schulsystem
     
  • Kostenlose Bildung für Alle
     
  • Mehr LehrerInnen, kleinere Klassen
     
  • Mehr ErzieherInnen, kleinere Gruppen
     
  • Mehr SozialpädagogInnen in Schulen
     
  • Beendet den Einfluss der Wirtschaft auf die Schulen!
     
  • Gegen Schulzeitverkürzung! Wie dem G8-Abitur!
     
  • Für eine Demokratisierung des Bildungs- systems!
     
  • Gegen die Verschulung in den Kindergärten

FORDERUNGEN DER STUDIERENDEN

Soziale Öffnung der Hochschulen

  • Für den Ausbau von Studienplätzen!
  • die Abschaffung von Studiengebühren und die gesetzlich verankerte Gebührenfreiheit von Bildung!
  • die finanzielle Unabhängigkeit der Studierenden – ohne Kredite!
  • die Abschaffung jeglicher Diskriminierung, auch in ihrer institutionalisierten Form gegenüber ausländischen Studierenden!

Abschaffung von Bachelor/Master in der derzeitigen Form

  • die Abkehr vom Bachelor als Regelabschluss!
  • das Ende von Verschulung, Regelstudien- zeit und Dauerüberprüfung!
  • die Möglichkeit individueller Schwerpunkt- setzung im Studium!
  • die tatsächliche Umsetzung der Mobilität zwischen den Hochschulen!

Demokratisierung des Bildungs- systems

  • den Abbau von wirtschaftlichen Zwängen im Bildungsbereich!
  • die Mitbestimmung aller Beteiligten im Bildungssystem, u.a. durch Viertelparität in den Hochschulgremien!
  • die Einführung verfasster Studierenden- schaften mit politischem Mandat in allen Bundesländern!

Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen

  • die Umsetzung freier alternativer Bildungs- konzepte!
  • die Beendigung prekärer Beschäftigungs- verhältnisse im Bildungsbereich!
  • die Aufstockung des Lehrpersonals auf ein pädagogisch tragbares Niveau! Dazu sind in den nächsten drei Jahren mindestens 8.000 Professuren, 4.000 Mittelbaustellen und 10.000 TutorInnenstellen neu zu schaffen!
  • die Förderung aller Studierenden statt einseitiger Elitenbildung!
  • die Einheit von Forschung und Lehre statt der Exzellenzinitiative!

KOBLENZER BILDUNGSSTREIK 2009   17. Juni

Bildungsstreik in Koblenz voller Erfolg!!
hier einige Eindrücke

Aktuelle attac-Termine

Donnerstag, den 18.03.2010 um 19 Uhr, im KUB.A, Eltzerhofstr. 10, 56068 Koblenz


Veranstaltungs- hinweise
Privatisierung bzw. Rekommunalisierung

Bitte für jeweilige Informationen auf die  Bilder klicken und noch ausführlichere Informationen auf der Terminseite von attac-KO

21. März 2010

Runder Tisch
Hochschulpolitik
Rheinland-Pfalz
Die Privatisierung der Bildung
April bis Juni 2010
Flyer Seite 1
Flyer Seite 2


20. März 2010

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

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